Ein Vertiko ist ein vertikal ausgerichtetes Behältnismöbel, zumeist mit zwei Türen und eine darüberliegende Schublade mit Deckplatte. Es ist höher als eine Kommode, aber niedriger als ein Schrank und besitzt meist einen regalartigen Aufsatz, der zum Aufstellen von Ziergegenständen diente.

Mein Vertiko stammt aus der Zeit zwischen 1870 und 1900. Die Inspiration der Gestaltung kommt aus vorherigen, alten Epochen – daher der Stilname „Historismus“.

Mein Vertiko gehörte einst Barbara und Friedrich Alferi. Es ist gut möglich, dass es schon davor im Familienbesitz war und von den beiden übernommen wurde, als sie die Wohnung in der Weiskerngasse 41/9 bezogen. Die Fotografie aus der Zeit um 1920 zeigt es zwischen den Fenstern im Wohnzimmer mit dem typischen Aufsatz, der nicht mehr erhalten ist. Zwischen 1956 und 1984 lebten Elisabeth und Karl Berger in der Wohnung. Der Platz des Vertikos war wie schon zu Zeiten der Alferis zwischen den Wohnzimmerfenstern. 1984 bezog ich die Wohnung und übernahm das Vertiko von meinem Großonkel Karl Berger, der ins Seniorenheim Siebertgasse 21 zog.

Am 8. Jänner bis 13. Februar war das Vertiko zur Restaurierung bei Daniela Lenger. Die beiden Original-Schlösser wurden von Andreas Zauner repariert. Dabei wurde die Jahreszahl 1895 entdeckt. Gut möglich, dass das Vertiko aus diesem Jahr stammt. Die Beschläge wurden durch Passende ersetzt, da die Originale anscheinend bereits vor 1920 durch (unpassende) Jugendstil-Beschläge ersetzt wurden. (siehe Foto). Den abblätternden Lack der Gläser habe ich selbst mit Acrylstift ausgebessert.

Zu den Personen: Barbara und Friedrich Alferi sind meine Urgroßeltern. Friedrich stammte aus Klostermühle (Tschechien) und hatte Kontakt mit Graf Spaun (Lötz Glas). Die zahlreichen Gläser am Aufsatz stammten aus dieser Zeit und dieser Umgebung.